
„Ich habe mich von Jugend an mit der Erforschung der Insekten beschäftigt. (…) Ich entzog mich deshalb aller menschlichen Gesellschaft und beschäftigte mich mit diesen Untersuchungen.“
Äußere und innere Wandlungen prägen Maria Sibylla Merians Leben ebenso wie ihr vielfältiges Schaffen. Künstlerin, Naturforscherin, Reisende, Geschäftsfrau – beharrlich und leidenschaftlich geht sie ihren für eine Frau des ausgehenden 17. Jahrhunderts höchst ungewöhnlichen Weg und verbindet künstlerisches Talent mit wissenschaftlichem Forschergeist.
Maria Sibylla wird am 2. April 1647 in Frankfurt am Main geboren. Im Atelier ihres Stiefvaters lernt sie schon als Kind Malen, Zeichnen und Kupferstechen. Mit 13 Jahren beginnt sie, Insekten zu sammeln, zu züchten, zu beobachten und naturgetreu zu zeichnen.

Die Heirat mit einem Maler führt sie mit 18 Jahren nach Nürnberg, wo sie ihre Studien fortsetzt, aber auch zum Lebensunterhalt der Familie beitragen muss. Sie führt den Haushalt, erzieht die beiden Töchter, unterrichtet Blumenmalerei, bestickt Tafeldecken und handelt mit Farben und Malutensilien. Die ab 1675 erschienenen drei Bände ihres Blumenbuchs sind als Stickvorlagen für bürgerliche Damen gedacht. Das anschließend erschienene Werk Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung mit Kupferstichen und Texten dokumentiert ihre langjährigen Studien zu den Lebenszyklen von Insekten.


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Da es ihr in ihrer Ehe „übel ergangen“ ist, verlässt sie ihren Mann und lebt mit ihren Töchtern in einer pietistischen Gemeinde in Holland, doch ihr unabhängiger Geist fühlt sich von dem fast klösterlichen Leben bald eingeengt. Sie zieht nach Amsterdam, wo sie ihre Studien in naturkundlichen Sammlungen und botanischen Gärten fortsetzt und für ihren Lebenstraum zu sparen beginnt: Sie will die prachtvollen exotischen Schmetterlinge und Pflanzen in der niederländischen Kolonie Surinam erforschen.
Mit 52 Jahren bricht sie schließlich mit ihrer jüngeren Tochter nach Südamerika auf – ohne finanzielle Unterstützung, ohne Auftrag und ohne männliche Begleitung. Die beiden Frauen unternehmen Exkursionen in den Urwald, untersuchen Insekten und Pflanzen und fertigen unzählige Skizzen an. Doch das schwülheiße Klima und die strapaziösen Landausflüge setzen Maria Sibyllas Gesundheit zu. Nach zwei Jahren muss sie, schwer an Malaria erkrankt, ihren Forschungsaufenthalt abbrechen und nach Amsterdam zurückkehren.
Dort arbeitet sie an ihrem Meisterinnenwerk Metamorphosis Insectorum Surinamensium, das 1705 erscheint und die Entwicklung der surinamischen Insekten von der Raupe bis zum farbenprächtigen Schmetterling in Kupferstichen und Texten dokumentiert. Die Tiere stellt die Künstlerin jeweils gemeinsam mit ihren Nahrungspflanzen dar. Das Werk wird ein großer Erfolg, trägt aber wegen der enormen Herstellungskosten zu ihrem finanziellen Ruin bei. Verarmt stirbt Maria Sibylla Merian am 13. Januar 1717 in Amsterdam.

